Wissen, wie's weitergeht

Das war ein Jahr! Und was kommt auf uns zu? Es bleibt "VUCA"  – volatile (volatil), uncertain (unsicher), complex (komplex) und ambiguous (mehrdeutig). Was das heißt, machen uns die deutschen Nachrichtenmagazine und Tageszeitungen vor: Sie schwanken bezüglich aller Krisen zwischen: “Es wird sehr schlimm”, “Es wird vielleicht doch überraschend gut” und “Unter diesen Bedingungen wird es allerdings katastrophal”.

Neben den Krisen, die man in der Nachrichten-App liest, hält auch jeder Job krisenhafte Zustände bereit. Versetzen wir uns in eine:n Arbeitnehmer:in hinein, nach den letzten drei Ausnahme-Jahren müde und leicht reizbar:


“Es ist Montag, die Arbeitswoche beginnt. Aber ich will noch nicht. Schon im warmen Bett fühlte ich den Widerstand, mich in die Arbeit zu begeben. Eine Mail vom Freitag hat das ganze Wochenende in mir herumgespukt. Ein Mitarbeiter schrieb mir etwas, mit einer ganzen Gruppe in cc, und er schrieb etwas, dem lückenhafte Informationen zugrunde lagen und das mich seltsam dastehen ließ.

Ich trinke einen Kaffee, der mich zwar wach macht – aber dummerweise belebt der Kaffee auch meinen Widerstand gegen die Arbeitswoche.  Da hilft nur in Ruhe zu frühstücken. Ich lese in der Nachrichten-App: Krieg, Teuerung, Virus-Wellen. Und so soll ich mich also jetzt konzentrieren? Und einen Kunden anrufen, empathisch sein und überzeugen? Oder etwas für die nächste wichtige Sitzung vorbereiten?

Heute früh im Bett war ich noch ein Mensch. Jetzt bin ich ein Schwamm, gefüllt mit Stresshormon, wie mit Benzin. Da muss nur ein Funke kommen, und alles geht hoch.”


Resilienz ist eine der wichtigsten Führungsqualitäten und beschreibt die Fähigkeit, erfolgreich auf Krisen zu reagieren – also auf Rückschläge und Veränderungen so zu reagieren, dass man gestärkt daraus hervorgeht. Wer so an (vermeintliche) Probleme im Arbeitsalltag herangeht, kann seine Aufgaben erfolgreicher erledigen.

Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen und Rückschläge als Anlass für die eigene Weiterentwicklung zu nehmen.

Wie also stärken wir unsere Fähigkeit, Krisen, Rückschläge, Bedrohungen und Ungewissheit für die eigene Weiterentwicklung und erfolgreiches Handeln zu nutzen?

Hier sind 5 Inspirationen als Starthilfe, die direkt umgesetzt werden können.


1: Enttäuschung als Startpunkt für eigenes Handeln verstehen

Schon wieder Aktionismus im Meeting? Überlegungen, Beschlüsse, Arbeits-Anweisungen auf dünner, keiner oder falscher Faktengrundlage? Die Aufregung darüber minimiert sich, wenn man zuerst anerkennt: Das kann immer wieder passieren. Und wenn man sich fragt:

Was mache ich daraus? Ergänze ich Informationen? Zeige ich meine eigene Vision, wie es besser gehen könnte? Stelle ich eine Frage, die sich bisher niemand zu stellen traute?

Wenn ich einfach mitmache, dann täusche ich mich und andere, dass ich mit fehlerhaftem Handeln einverstanden sei. Dann bereite ich aktiv schon die nächste Enttäuschung vor.

Ich leide nicht am Schlechten, ich gestalte das Bessere. Bei Enttäuschungen frage ich: Was kann ich zur Verbesserung beitragen?

Enttäuschungen sind eng mit Erwartungen verbunden. Die Urheber:innen der Erwartungen sind glücklicherweise wir! So kommen wir zu Tipp Nummer 2:

2: Hohe Erwartungen aufteilen und präzisieren

Hohe Erwartungen sind gut. Schlecht ist es nur, wenn die Erwartungen nicht an Wirklichkeit gebunden sind, also an Erfahrungen, vorhandene Daten, personelle Möglichkeiten. Wenn Sie mit einer schwierigen Aufgabe oder Situation konfrontiert sind, kann es hilfreich sein, sie in kleinere, leichter zu bewältigende Teile zu zerlegen. Wenn Sie dann jedes erreichte kleinere Ziel wertschätzen, hilft das Ihnen und  Ihrem Team, motiviert zu bleiben und Vertrauen aufzubauen.

Außerdem können wir aus dem Verfehlen kleinerer, klar formulierter Ziele eher etwas lernen. Denn eine utopische Erwartung wird nicht erfüllt, weil sie utopisch war. Das Nicht-Erreichen einer präzise formulierten Erwartung kann hingegen analysiert werden.

Ich verfasse Erwartungen als Grundlage für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess, nicht als Grundlage für künftige Vorwürfe. Ich setze erreichbare Ziele, feiere kleine Siege und lerne aus dem, was nicht läuft.

3: Selbstmanagement statt Uferlosigkeit

Wir sind begrenzt. Wenn ich mich auf alles verteilen soll, dann bleibt pro Aufgabe zu wenig Wirksamkeit von mir übrig. Schaffen wir uns einen Raum der Wirksamkeit – mit ganz klassischen Mitteln, die keine modischen neuen Wörter brauchen: Selbstorganisation, Zeit- und  Projektmanagement.

Welche Aufgabe, die welchem Ziel dient, will wer in welcher Zeit erledigen? Nur eine sauber definierte Aufgabe können wir wirksam angehen, nur für klare Ziele lassen sich angemessene Entscheidungen treffen.

Kolleg:innen, Projekte, Lebensereignisse: Alle wollen etwas von mir. Doch ich entscheide bewusst, wann und wie lange ich mich für welches Vorhaben einsetze. Ich treibe Fortschritt planvoll voran, statt selbst getrieben zu sein.

4: Unsere Aufmerksamkeit lenken: das Gute einfangen.

Wir werden mit vielen Bedrohungen konfrontiert. Und die lösen ein Programm in uns aus, das viele tausend Jahre erfolgreich lief: Denken wir an unsere Vorfahren in grauer Urzeit. Sie sammeln gerade Beeren und entdecken dabei eine schöne Blume vor dem Beerenstrauch. Gleichzeitig hörten sie lautes Knurren und Ästeknacken in der Ferne. Natürlich widmen sie der schönen Blume keine weitere Beachtung. Sie reagieren sofort auf dieses Alarmsignal, das Unangenehmes verheißt: Sie verstecken sich oder rennen davon.

Ein Arbeitstag ist voller Signale, die Unangenehmes verheißen. Und viele fliehen oder verstecken sich in der inneren Kündigung, in Läster-Runden, in Machtspielchen oder vermeintlich wichtigen Projekten. Oder sie werden aufrichtig krank.

Aber in der Arbeitswelt wird nichts so unangenehm und verheerend, wie es damals der Angriff eines Raubtiers war. Wir können unsere Aufmerksamkeit ohne Gefahr auf das Gute richten, wir können uns Zeit nehmen für die "Blume". Was freut uns? Was ist schön? So entkommen wir dem  Negativitätsbias, und das zeigt sich  schon rein körperlich:  Es wirkt dem Effekt des Stresshormons Cortisol entgegen (Cortisol verringert die Knochendichte, triggert Heißhunger, fördert Entzündungen und Gewichtszunahme).  Durch den Fokus aufs Gute finden wir zu besserer Gesundheit, tieferem Schlaf, kurz: Wir führen ein besseres Leben.

Ich tue mir etwas Gutes, indem ich das Gute suche, finde und würdige.

So steigern wir unsere  Wirksamkeit und das Gelingen des gesamten Unternehmens. Das bringt uns zum nächsten Tipp:

5. Aktive Selbstfürsorge

Nichts Neues, und doch in Zeiten des Home-Office oft auf der Strecke geblieben: Aktiv sein! Auch mit anderen! Die körperliche und soziale Betätigung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Erhaltung der Widerstandsfähigkeit.

Ermutigen Sie sich und Ihr Team, Aktivitäten der Selbstfürsorge feste Plätze in der Woche einzuräumen. Was können Sie sich vorstellen? Alle 2 Tage 20 Minuten Radfahren? Atemmeditation probieren? Wenn Sie im Restaurant verabredet sind, auf dem Weg dahin zwei Busstationen früher aussteigen und mal ganz bewusst gehen? Jede Woche gemeinsam in der Büroküche kochen und essen?

Die Zeit einsamer Helden ohne Zeitgefühl ist vorbei. Dazu zählt auch: Es ist in Ordnung, um Hilfe zu bitten, wenn man Hilfe braucht. Ermutigen Sie auch Ihr Team, sich Unterstützung zu holen – durch ein Gespräch mit einem Kollegen oder durch professionelles Coaching.

Ich setze der ganzen Kopfarbeit bewusst körperliche und soziale Aktivität entgegen. Es muss nicht viel sein, nur regelmäßig.  

Wie geht´s also weiter? Die Welt ist wie sie ist. Aber Sie schaffen sich und Ihrem Team ein unterstützendes, ausgewogenes Arbeitsumfeld. Wenn Sie Resilienz bei sich selbst und Ihren Mitarbeiter:innen fördern, helfen Sie, Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen und daran gemeinsam zu wachsen.

Wünschen Sie Hilfe dabei, eine kollektive Bewegung zu mehr Resilienz und Team-Erfolgen zu entfachen? Wir sind gerne für Sie da.